Vom Haarschnitt zum Sinus pilonidalis?

13.10.2026

Ein Sinus pilonidalis ist eine Steissbeinfistel. Haare geraten in die Gesässfalte und führen zu einer schmerzhaften Entzündung. Bisher dachte ich hierbei an abgebrochene oder eingewachsene Haare als Ursache.

Auffällig ist aber, dass viele Haare wurzellos mit rasiermesserscharfen Enden ohne Bruch- oder Splittingmuster sind und damit morphologisch eher wie abgeschnittene Haare:
Bosche F, Luedi MM, van der Zypen D, Moersdorf P, Kraphol,B, Doll D. The Hair in the Sinus: Sharp-Ended Rootless Head Hair Fragments can be Found in Large Amounts in Pilonidal Sinus Nests. World J. Surg. (2018). https://doi.org/10.1007/s00268-017-4093-5

Von einer befreundeten Coiffeuse wusste ich bereits, dass die von ihr mit ihren Spezialscheren abgeschnittenen Haare messerscharf sind, die Haut durchdringen können und die Schuppenstruktur der Haare das Zurückziehen erschwert. Sie achtet daher penibel darauf, dass keine Haare aus dem Friseursalon in ihre Wohnung gelangen. Passend dazu die Informationen in folgender Studie von 1992:
Dahl HD, Henrich MH. Licht- und rasterelektronenmikroskopische Untersuchungen zur Pathogenese des Sinus pilonidalis und der Analfistel. Langenbecks Arch Chir. 1992;377(2):118-24. German. doi: 10.1007/BF00184347.

Auf weiteres Nachlesen stiess ich auf die «Barber’s disease», ein interdigitales Pilonidalsinus-Syndrom bei Barbieren, Friseuren, Hundefriseuren und Schafscherern: Haare penetrieren die Zwischenfingerfalten und verursachen dort Fremdkörpergranulome, Sinusgänge und Abszesse.

Auch wenn der kausale Friseur-Nachweis nicht sicher erbracht ist, reichen mir diese Informationen, um künftig nach jedem Haarschnitt erstmal gründlich zu duschen.